iPhones im Unterricht

Phone und Computer in der Schule: Schüler einer Schweizer Schule nutzen digitale Medien im Unterricht© Syda Productions - Shutterstock

Lernen und Technik verbinden - unter diesem Motto geht eine Schweizer Schule neue Wege und integriert digitale Geräte in den Unterrichtsalltag. Unter anderem wurden die Schüler einer 5. Klasse zwei Jahre lang mit iPhones ausgestattet, um den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

 

Erstes Projekt europaweit

An den meisten Schulen riskieren die Schüler mahnende Blicke vom Lehrer, wenn sie sich während des Unterrichts mit ihrem Handy beschäftigen. An der Projektschule Goldau im Kanton Schwyz ist das ein bisschen anders: Hier ist die Nutzung des Smartphones nicht nur erlaubt, die Kinder werden sogar ausdrücklich dazu aufgefordert.

Bereits 2009 startete das “iPhone-Projekt” als erstes derartiges Schulprojekt in Europa. Alle Schüler einer 5. Klasse erhielten ein eigenes iPhone 3G, sozusagen als “Werkzeug” für den Unterricht. Die Geräte wurden den Schülern kostenlos von der Schule zur Verfügung gestellt und durften nach einer mehrwöchigen Einführungs-Phase sogar ausserhalb des Unterrichts genutzt werden. Die Idee hinter dem Projekt: Digitale Applikationen wie Taschenrechner, Wörterbuch, Aufnahmegerät oder auch Kamera sollen Schülern die Teilnahme am Unterricht und das Lernen erleichtern. Denn das kleine Einmaleins, Vokabeln, Lesen und Schreiben lassen sich mit den entsprechenden Programmen viel leichter und aktiver üben als mit Büchern und Frontalunterricht. Aber auch über den Lernerfolg hinaus hatte das iPhone-Projekt einen zentralen Zweck: Durch die beaufsichtigte Smartphone-Nutzung sollte die Medienkompetenz der Schüler gefördert werden.

 

Medienkompetenz vermitteln

In einer Zeit, in der Smartphone und Computer längst zu unverzichtbaren Begleitern geworden sind und auch von Jugendlichen ganz selbstverständlich genutzt werden, wird es immer wichtiger, den Umgang mit digitalen Geräten schon frühzeitig zu erlernen und kritisch beurteilen zu können. Diese Überzeugung bildete den Ausgangspunkt des iPhone-Projekts, welches laut Christian Neff, dem betreuenden Lehrer, auch zu durchaus positiven Ergebnissen geführt hat. In einem Interview mit Swisscom berichtete er, dass die Schüler dank ihrer Smartphones individueller lernen konnten und einige von ihnen sogar motiviert waren, sich abseits des Unterrichts mit Schulstoff auseinander zu setzen. Ausserdem war Neff positiv überrascht, wie vernünftig die Schüler mit den ihnen anvertrauten Geräten umgingen und dass auch die Zwischenmenschlichkeit innerhalb der Klasse keinesfalls unter dem Einsatz von Smartphones litt. Im Gegenteil beschreibt Neff die Kommunikation unter den Kindern während des Projekts als besonders intensiv. (Quelle)

 

Erst der Anfang

Das iPhone-Projekt war allerdings nur der erste Schritt in Richtung Verbindung von Schule und Technik. Mit dem Projekt “Digitaler Alltag” ging es von Frühling 2012 bis Sommer 2013 weiter: Diesmal nahmen drei Schulklassen teil; die Schüler wurden mit mobilen Kleincomputern für die Nutzung im Unterricht und in ihrer Freizeit ausgestattet. Das jüngste Projekt der Projektschule Goldau lautet “Brings mIT” und schliesst bereits fünf Klassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 mit ein. Diesmal stellt die Schule keine Geräte zur Verfügung, stattdessen gilt das Motto “BYOD” (“Bring your own device”) - Jeder Schüler bringt sein eigenes Smartphone, Handheld oder Tablet mit in die Schule. Die Fragestellungen hingegen bleiben dieselben: Wie verändern persönliche Geräte wie Smartphones und Tablets den Schulalltag und das Lernverhalten innerhalb einer Klasse?

 

Projektschule Goldau: Modell mit Zukunft?

Mit ihren verschiedenen Projekten will die Projektschule Goldau zum Einen herausfinden, wie gut die  Integration von digitalen Geräten in den Unterricht funktioniert und was dabei aus pädagogischer, organisatorischer und technischer Sicht beachtet werden muss. Zum Anderen sollen die Projekte öffentliche Diskussionen zum Einsatz von Smartphones und Co. in Schulen anregen. Hinsichtlich der positiven Ergebnisse der experimentellen Projekte ist es gut vorstellbar, dass Schweizer Schulen in Zukunft zunehmend digitale Medien in ihren Unterricht einbinden werden. (Quelle)

 

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